März 22nd, 2010

Computerspielboom in Portugal “Die Realität der Eltern ist das Problem! Es fehlt die Medienkompetenz.” [Yourope am 21. März 2010 - arte]

Mit der Faszination, den Risiken und den Trends bei Video- und Computerspielen befasste sich “Yourope” auf arte in seiner Sendung am 21. März 2010, um 17.45 Uhr. Wiederholung am Freitag 26. März um 07.00 Uhr (Deutschland, 2010, 26mn) SWR.

“Die Realität der Eltern ist das Problem! Es fehlt die Medienkompetenz.”

Insbesondere der Beitrag “Videospielboom in Portugal: „Resident evil“ zwischen Freizeitvergnügen und Killerspiel” (im Video ab Minute 12:40) ist bemerkenswert – und dies sowohl ob der Tatsache der enormen Zuwachsrate in Portugal von 17,9% beim Absatz von Computer- und Videospielen, wie auch ob der im Beitrag zitierten Ansichten von Eltern zum Thema.

Im Beitrag benannte Fakten:
- Statistisch spielen Gamer in Deutschland pro Woche 10 Stunden
- Am meisten kontrollieren Eltern in Österreich und Schweiz, am wenigstens die Schweden – Deutschland liegt nur im Mittelfeld
- Dass es generell Altersempfehlungen mit Warnhinweisen gibt, wissen überhaupt nur 1/3 der Eltern

Portraitiert werden im Beitrag Eltern aus dem “portugiesischem Mittelstand” mit zwei Jungs (13 und 10), der ältere spielt gern mal am Stück 5 Stunden, sein Bruder (10) sieht oft zu oder spielt selbst – Counter-Strike, freigegeben ab 16 (USK, PEGI).

Die Eltern dazu: “Als er sich das 1. Spiel gekauft hat, haben wir gar nicht auf die Altersbeschränkung (ab 18) gekuckt”, danach redete der Vater mit den Kindern um ihnen zu vermitteln, dass es nur “Unterhaltung” und keine Realität sei. Damit war der “Fall” pädagogisch für ihn offenbar erledigt.

Aber es geht nicht nur um Konsolen- oder Computer-Spiele, voll im Trend die neuen “Internet-Spiele” im gleichen Genre (Ego-Shooter, freigegeben ab 18). Auch davon habe der 13jährige bereits das dritte oder vierte, aber ‘das belege ja nur’, meint der Vater, ‘dass der Sohn nicht süchtig sei, denn sonst würde er ja nur ein Spiel spielen’. Die Mutter erklärend: ‘Die Altersbeschränkungen bezögen sich nur auf die intellektuellen Fähigkeiten des Spielers den nächsten Level zu erreichen, es habe aber nichts mit dem Grad der Gewalt zu tun.’

“Eltern begleiten die Kinder zu wenig bei der Nutzung der neuen Technologien”

Die hier vertretenen Ansichten wirken vielleicht für manchen zwischen “naiv” und “fahrlässig”, tatsächlich aber spiegeln sie nicht nur portugiesische Realitäten. Auch im eigenen persönlichen Bekanntenkreis werden Kinder im Alter von 6-7 Jahren bereits mit Star Wars- und Harry Potter-Filmen nebst Spiel-Ablegern konfrontiert, offenbar ohne jegliche Bedenken bezüglich einer altersgerechten Einstufung. Der im Beitrag skizzierte Fall, wo ein 10-jähriger ein Ab18-”Killerspiel” spielen darf, ist zwar noch alarmierender, dennoch aber auch ‘nur’ Ausdruck der gleichen Sorglosigkeit von Eltern, die entweder pädagogische Bedenken nicht akzeptieren wollen oder die Spiele an sich schon schlicht nicht einschätzen können.

Tito de Morais von der Aktion “Sichere Kids im Internet” [MiudosSegurosNa.Net (port.)] dazu im Beitrag: “Eltern begleiten die Kinder zu wenig bei der Nutzung der neuen Technologien”. Er sorgt mit Vorträgen für Aufklärung bei den Eltern, die sich auch mangels eigenem thematischen Zugang gar nicht im Klaren sind, was ihre Kinder denn eigentlich machen und worin die Risiken bestehen. Für solche Aufklärung will in Deutschland die »PC-Manufaktur Frankfurt« mit ihrer Initiative »Kindern online Laufen lernen« mit sorgen – Ein entsprechender Workshop findet demnächst auf der re:publica’10 in Berlin statt.

Die Moderatorin des Beitrags, selbst eine portugiesische Mutter, fasst resümierend zusammen: “Die Realität der Eltern ist das Problem! Vielen von uns fehlt die Medienkompetenz.” und schließt mit den Worten “Die Sorglosigkeit solcher Eltern finde ich erschreckend.”

arte: Yourope am 21. März 2010

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